Haben oder Sein – Erlebnis oder Erleben
Erleben wir uns zu Tode?
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"Wir sind eine Gesellschaft notorisch unglücklicher Menschen: einsam, von Ängsten gequält, deprimiert, destruktiv, abhängig - jene Menschen, die froh sind, wenn es ihnen gelingt, jene Zeit totzuschlagen, die sie ständig einzusparen versucht."
(Erich Fromm)
Beim nachfolgenden schematischen Vergleich von Abenteuerpädagogik und Erlebenspädagogik sei betont, dass es hierbei um keine moralischen oder ideologischen Wertungen geht. In diesem Vergleich ist explizit die „Hardcore-Erlebnispädagogik" angesprochen, der es primär um „Kick & Fun" geht. Hier wird sie deshalb mit dem Begriff „Abenteuerpädagogik" bezeichnet.
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Erlebnispädagogik ist mehr als ein freier Fall für Adrenalin-Junkies
| THEMA | ABENTEUERPÄD. (Harte Erlebnispäd.) |
ERLEBENSPÄD. |
|---|---|---|
| Daseinskategorie nach Erich Fromm | Haben: Summierung von äußeren Erlebnissen | Sein: Schulung der inneren Erlebnisfähigkeit |
| Theoretische Wurzeln | Positivismus, Empirie, Materialismus | Geisteswissenschaft, Idealismus |
| Menschenbild | Biomedizinisch oder Milieutheoretisch | Transpersonal, spirituell |
| Strebungen | Sensationssuche; innere Leere, Todessehnsucht und das Verlangen nach „Wiederbelebung“ | Sinnsuche; innere Fülle, die Lebenssehnsucht und das Streben nach Höherentwicklung |
| Ausrichtung | Thrill; das Abenteuer dient der Lustbefriedigung | Skill; das Abenteuer dient der Fähigkeitsbildung |
| Zielsetzung | Abenteuer als Möglichkeit der Befriedigung von subjektiven bis hedonistischen Motiven | Abenteuer als Hilfen zur Reifung und Vervollkommnung der Persönlichkeit |
| Motive der Abenteuersuche | Langeweile, Vergnügungssucht, Lustgewinn, Geltungsbedürfnis, Profilierungswunsch | Verwirklichung eines übergeordneten Sinns, einer an Idealen ausgerichten Aufgabe innerhalb eines sozialen Zusammenhangs |
| Inhalte | Kick-orientierte Aktionen mit hohem „Adrenalin-Faktor“ | Sanfte, künstlerisch gestaltete Aktivitäten mit innerem Erlebnisgehalt |
| Methoden | Technische Anleitung, gleichsam wie ein Trainer in einem Sportverein | Kreative Methoden werden verwendet, um psychisch den Boden für das Erlebnis zu bereiten |
| Setting | Nüchterne Ausgestaltung, oft mit hohem Einsatz technischer Mittel und Sicherheitsvorschriften | Künstlerisch, phantasievoll, an Märchen, Mythen, Urbildern oder archaischen Motiven angelehnt |
| Zeitfaktor | An kurzfristigen Effekten orientiert | Auf Nachhaltigkeit angelegt |
| Wirkung | Schnell nachlassende Wirkung; danach tritt der Wunsch nach „Dosissteigerung“ auf. Gefahr der Suchtbildung | Durch das „homöopathische“ Einsetzen von sinnbetonten oder archetypischen Erlebnissen kann eine Grundsehnsucht im Menschen befriedigt werden. |
| Prinzip | Der Effekt überschwemmt die Psyche; es soll mit minimalem Aufwand maximaler Effekt erzielt werden (z.B.Bungee-Sprung) Sahnehäubchen-Prinzip: es schwemmt auf. |
Der Effekt ist nie größer als die seelische Verarbeitungs-möglichkeit des Teilnehmers. Vollkornbrot-Prinzip: es sättigt anhaltend und bringt den Verdauungsapparat in gesunde Tätigkeit |
| Chancen der Entwicklung | „Action-Erlebnisse“ bleiben an der Oberfläche der Persönlichkeit. Gut vorbereitet verhelfen sie dem Teilnehmer zu mehr Selbstbewusstsein, Entschlossenheit, Mut, Verantwortungsfähigkeit | Sinnorientierte Erlebnisse können in die Tiefen der Seele dringen – und (archetypische) Sehnsüchte befriedigen. Unbefriedigte Grundsehnsüchte hinterlassen in der Seele das Gefühl der „inneren Leere“ |
| Erlebnispsychologische Aspekte | Gefahr der Verflachung (durch sinnlosen Fun) und Abstumpfung (durch Erlebnis-Schocks) der Erlebnisfähigkeit |
Ressourcen zur Vertiefung (durch Sensibilisierung) und Bereicherung (durch sinnhafte, phantasievolle Erlebnisse) der Erlebnisfähigkeit |
| Biographischer Aspekt | Der Mensch reift nicht automatisch indem er älter wird. Er kann auch als alter Mensch ein infantiler „Kindskopf“ sein. | Indem der Mensch wesenhafte Sehnsüchte erfüllt, reift er. Indem er innere Abenteuer besteht wächst über sich hinaus und wird weise |
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Lebenswege |
Der Sensationssucher jagt dem schnellen äußerlichen Erfolg hinterher; er verwechselt Glück haben mit glücklich sein |
Der Erlebende sucht im inneren Abenteuer (früher: Aventüre des Helden) das Wesen seiner Person, seine eigene Bestimmung zu ergründen.
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