Die Aktualität der Erlebnispädagogik
Unsere Jugend, an einem historischen Wendepunkt stehend, sucht wie keine andere Generation jemals zuvor nach echten Abenteuern. Der Prozess der Entzauberung und Ernüchterung der modernen Gesellschaft scheint einen Höhepunkt erreicht zu haben. Noch nie zuvor war der Hunger nach Abenteuern, Erlebnissen, Bildern und modernen Mythologien so vehement wie in unserer Gegenwart. In Scharen strömen die Heranwachsenden in Filme wie „Harry Potter", „Herr der Ringe", „Narnia" oder andere Phantasy-Kultfilme. Hier finden sie, was ihre durstenden Seelen bitter entbehren: herausfordernde und fantasievolle Abenteuer.
Andere Jugendliche suchen ihre Sehnsucht nach handfesten Abenteuern an den Grenzen ihres körperlichen und seelischen Leistungsvermögens zu befriedigen. Ob beim River Rafting in einer reißenden Schlucht, auf einer mörderischen Piste mit dem Mountainbike oder beim Rotpunktklettern am senkrechten Fels: stets lockt sie die Verheißung eines herausragenden Erlebnisses, sie in neue Gefilde über die Tristesse des monotonen Alltags hinausheben zu können.
Wieder andere Jugendliche leiden an der Banalität der Moderne, der Käseglocke Schule und ihrer öden Kreidepädagogik, den zubetonierten und reglementierten Lebenswelten in unserer Wohlstandsgesellschaft und der medialen „Small-Talk-Kultur", die den Konsumenten mit einer wahren Springflut an trivialer Unterhaltung überschwemmt.
Sie alle versuchen vor dem Mangel an echten Abenteuern, der grassierenden inneren Leere und tödlichen Langeweile zu fliehen, indem sie sich künstliche Abenteuerwelten erschaffen. Dies zeigt sich in tausenderlei Facetten: vor allem aktuell in der vielbeklagten erhöhten Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen, die als Symptom der galoppierenden Erlebnisverarmung zu verstehen ist.
In den aktuellen Polizeiberichten erfahren wir entsprechend, dass sich die Gewaltbereitschaft und das Aggressionspotential der jungen Generation alarmierend gesteigert hat. Prügel, Schläge, Überfälle: An bedrückenden Beispielen erschreckender Jugendgewalt in Deutschland mangelt es nicht. Die Zahl der tatverdächtigen Gewaltkriminellen unter 21 Jahren hat sich in den vergangenen 14 Jahren mehr als verdoppelt. Insgesamt fällt nach Angaben des Bundeskriminalamts fast jeder zweite Gewaltkriminelle in diese Altersgruppe.
Ähnlich alarmierend sind die Entwicklungen bezüglich der Zunahme des Medienkonsums unter Jugendlichen (32 % der Jungs zwischen 12 und 19 nutzt täglich Spielkonsolen; JIM -Studie 2007) oder des Konsums von Drogen (in den letzten vier Jahren stieg die Zahl der jungen Menschen in Ostdeutschland die schon einmal Cannabis konsumierten von 13 auf 29 %).
Pädagogen, Erzieher und Lehrer fühlen sich seit vielen Jahren alleine gelassen und den überhand nehmenden Problemen nicht mehr gewachsen. Sie spüren, dass die konventionelle Art der Erziehung als überkommenes Modell für die neue Generation zu kurz greift. Zu sehr auf das „schneller, höher, weiter" messbarer Leistung ausgerichtet, zu einseitig an den blassen intellektuellen Fähigkeitssegmenten und Paukschemata orientiert, entrinnen den heutigen Pädagogen die angeödeten Pennäler wie trockener Sand zwischen starren Fingern.
Seit den 90er Jahre wurde jedoch von Sozialpädagogen und Erziehungswissenschaftlern scheinbar ein „Licht am Ende des Tunnels" entdeckt: Die Erlebnispädagogik. Lauffeuerartig breitete sich in den kommenden Jahren die Einsicht aus, dass Erlebnispädagogik auch dann weiterhilft, wenn die traditionelle Pädagogik mit ihrem Latein bereits am Ende ist. Mittlerweile ist die moderne Erlebnispädagogik in nahezu allen erzieherischen Feldern salonfähig geworden. Vom Kindergarten bis in die Hochschulen, von der Jugendhilfe bis in die Manageretagen, von Kanada bis Kamtschatka genießt die Moderne Erlebnispädagogik heute höchstes Ansehen und Popularität.






