Ideelle Aspekte
Wie entscheidend es ist, jungen Menschen einen gesunden Idealismus für das spätere Leben mitzugeben, beschreibt Rudolf Steiner als einer der vordergründigsten Aufgaben der Pädagogik. Nach seiner Auffassung hat der Jugendidealismus sogar eine bis ins Psychosomatische hineinreichende Auswirkung, wie von ihm veranschaulicht wird: „Gerade so, wie der menschliche Leib sein gesundes Knochensystem braucht, wenn er nicht einherwackeln soll, so braucht der astralische Leib (das seelische Gefüge; d.Verf.) mit dem eingeschlossenen Ich, wenn er sich richtig entwickeln soll, in diesem Lebensalter (als junger Mensch, d.Verf.) Ideale. Das muss man ganz voll ernst nehmen. Ideale, diejenigen Begriffe, die einen Willenscharakter haben, Ideale mit Willenscharakter, das ist dasjenige, was wir jetzt als ein festes Gerüst dem astralischen Leib einfügen müssen." (GA 302, 1998, S. 82)
Dass junge Menschen für ihre gesunde Entwicklung die Ausbildung von Idealen brauchen, dass sie in Bewährungsproben über sich hinaus wachsen wollen, wird auch in der Pädagogik der Gegenwart inzwischen vielfach erkannt.
Angesichts der Jugendunruhen in Frankreich, der Katastrophen in der Berliner Rüetli-Schule oder des Massakers in Winnenden schleicht sich nämlich die besorgte Frage ein, was geschieht, wenn eine ganze Generation sich überflüssig und nicht von Idealen gefordert fühlt.
Aufrüttelnd klingen vor diesem Hintergrund die Worte des großen Pädagogen Hartmut von Hentig, der in seinem letzten Buch „Bewährung. Von der nützlichen Erfahrung nützlich zu sein", seinem pädagogischen Testament, die Notwendigkeit einer radikalen pädagogischen Reform beschwört. So fordert er, dass der Schule, die in seinen Augen viel mehr auf „Bewähren" statt auf „Belehren" setzen müsste, generell ein Soziales Jahr - ähnlich den Freiwilligendiensten - folgen sollte.






